Glühbirne: Wirtschaftskrimi um eine Alternative

Sie stand angeblich kurz vor der Marktreife und endet nun als Konkursmasse in einem Wirtschaftskrimi. Die Firma emdeOLED arbeitete zusammen mit der technischen Universität Braunschweig an einer Birne aus organischen Leuchtdioden (OLED), nun liegen die Patente in der Insolvenzmasse und die Mitarbeiter stehen vor der Entlassung. Im Mittelpunkt des Skandals steht die Hess AG, gegen 15 Beschuldigte – darunter zwei ehemalige Vorstandsmitglieder und ein Ex-Aufsichtsratsmitglied – ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Mannheim.

EMDEOLED-OLED-light-bulb-prototype

Seit die EU das Verbot von klassischen Glühbirnen durchgesetzt hat, blieben den Menschen meist nur die giftigen Kompaktleuchtstofflampen oder wer bereit war tiefer in die Tasche zu greifen leistete sich eine LED-Lampe. Die Lichtspektren sind insgesamt eher schlecht, dem sollte die neue OLED-Lampe Abhilfe schaffen. In Braunschweig sollte die Energiesparleuchte von emdeOLED mit einigen Forschern zur Marktreife gebracht werden.

Anfang 2012 sicherte sich die Hess AG die Mehrheit an der emdeOLED GmbH, was entsprechend gefeiert wurde. Wenig später behaupten böse Zungen man habe damit nur das Unternehmen vor dem Börsengang (25.10.2012) etwas aufhübschen wollen. Zum Verhängnis wird der Hess AG nun der Umstand, dass mutmaßlich auch die Bilanzen 2011 und 2012 mit entsprechenden Scheinrechnungen aufgeblasen wurde.

Am 18.04 – also etwa ein halbes Jahr nach dem Börsengang gab die Hess AG folgende Pressemeldung heraus:

Die Hess AG ist aufgrund der Ergebnisse des internen Sonderuntersuchungsberichts, wie bereits berichtet, gezwungen, den Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2011 zu korrigieren und neu aufzustellen. So muss beispielsweise der Jahresüberschuss für das genannte Geschäftsjahr um rund 6 Mio. € nach unten korrigiert werden. Auch im Geschäftsjahr 2012 müssen Anpassungen vorgenommen werden. Dies führt dazu, dass eine Korrektur des Jahresüberschusses in Höhe von rund 9 Mio. € notwendig wird. Für das Geschäftsjahr 2012 bedeutet dies, dass beim Jahresüberschuss ein Verlust in Höhe von mindestens 15 Mio. € ausgewiesen werden wird. Ursache dieser Korrekturen sind überhöht ausgewiesene Umsätze, welche auf sogenannten Scheinrechnungen basieren.

Die deutlich negativen Ergebnisse dieser beiden Geschäftsjahre führen dazu, dass das Grundkapital der Hess AG aufgezehrt ist.
Eine entsprechende außerordentliche Hauptversammlung kann nicht einberufen werden, da die hierfür erforderlichen Mittel nicht zur Verfügung stehen. Darüber hinaus steht die Eröffnung des Insolvenzverfahrens der Gesellschaft unmittelbar bevor.[1]

Fast ein wenig bemerkenswert mit welcher Gelassenheit man dort die Arbeitsplätze und das Kapital der Investoren in den Abgrund gleiten lässt.

Weil sich die Hess AG die Mehrheit an drei Firmen des Lichtkünstlers und Erfinders Thomas Emde sicherte, steht nun allerdings auch das innovative Leuchtmittel vor dem Aus. Mit den Firmen erwarb man auch die Patente, welche nun in der Insolvenzmasse schlummern. Noch sind die Patente nicht verkauft und man versucht innerhalb von einer Woche Investoren zu finden um emdeOLED und die Idee zu retten.

Ein Energiesparleuchtmittel mit einem schönen Licht wäre ein Befreiungsschlag für die Wohn- und Büroräume, endlich etwas neues was die Welt wirklich braucht. Ob sich dieser weltweit einmalige Prototyp nun noch die Verkaufsregale erobern wird, zeigt die Zeit. Es wäre nicht verwunderlich, wenn das Glühbirnenkartell sich der Patente nun bemächtigt und diese vorläufig in einer Schublade verschwinden lässt.

Laut der TU-Braunschweig wollte man in drei Jahren die Serienreife für Leuchtmittel erreichen, mit der Leuchtkraft einer 40 Watt-Birne.

von Jens Blecker  April 26, 2013

http://www.iknews.de/2013/04/26/gluehbirne-wirtschaftskrimi-um-eine-alternative/

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